Gina Gass wurde 1946 in Köln geboren und verbrachte Kindheit und Jugend in Berlin. Sie studierte Kulturtheorie, Ästhetik, Philosophie und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach ihrem Studium war sie als Redaktionsassistentin beim DEFA-Filmstudio für Dokumentarfilme tätig und arbeitete am Filmarchiv der DEFA.
Seit 1978 war Gina Gass als freischaffende Künstlerin aktiv und lebte ab 1984 in Hannover. Ihre Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, Österreich und den USA gezeigt und sind durch Galerien wie die Galerie Depelmann in Langenhagen sowie die Galerie Christian Hohmann in Palm Desert, USA, international vertreten. Ihre Arbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen.
Gina Gass prägte mit ihrer vielseitigen künstlerischen Arbeit die zeitgenössische Kunstszene und hinterlässt ein umfangreiches, international anerkanntes Œuvre.
- - - - -
Zu den Arbeiten von Gina Gass:
" Die Bilder von Gina Gass sind Fragen. Sie suchen, oftmals unruhig, nach der Lösung, wer sie sind. Nur ein erster flüchtiger Blick mag die Arbeiten heiter erscheinen lassen, doch bald wird die Oberfläche im wahrsten Wortsinn fragwürdig. Nicht nur bei den häufig verwendeten Zirkusmotiven sieht der Betrachter gleichsam hinter die Kulissen,wo es gar nicht unbekümmert zugeht. Häufig tauchen im Vordergrund schemenhafte Rückenfiguren auf, die zumeist statuarische Konstellation von abstrahierten Gestalten beobachten. Diese distanzierten Beobachter scheinen die Perspektive der Künstlerin zu haben, die uns so die Teilnahme an ihrer eigenen Sicht auf die dargestellte Situation anbietet, pars pro toto für ihre von Zweifeln getragene Welt- Anschauung.
Diese Weltsicht ist getragen von einem tiefgreifenden Umbruch, der sich 1984 mit ihrem Umzug aus der damaligen DDR in den Westen vollzog. Bis dahin malte sie abstrahierte Lanschaften, in denen es für den Menschen, staatsideologisch in erster Linie definiert als Teil eines kollektiven Ganzen, keinen individuellen Platz gab. Der dortige Wertekontex war plötzlich weggebrochen, und an seine Stelle trat zwangsläufig die Suche nach einer Neudefinition von Individuen, deren Preis der Einzigartigkeit nicht selten Vereinsamung bedeutet.
In vielen Bildern greift Gina Gass die Gestalt des Harlekins auf, seit Picasso die Symbolfigur des einsamen Melancholikers. Diese Stimmung, gepaart mit stiller Sehnsucht, drücken die Romantiker mit Bildelementen wie der Rückenfigur aus, und auch sie kannten das Selbstbildnis als Mittel der Selbstbefragung. Gina Gass knüpft an diese Tradition an mit dem Unterschied, daß aus der Sehnsucht nach der Natur ein Verlangen nach Geborgenheit in sich selbst und der Gesellschaft geworden ist - eine deutsche Romantikerin des 20. und 21. Jahrhunderts." (Claudia Böer)