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Heute, Dienstag, 14. Juli 2020
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Sonntag, 12. Juli 2020
15:00 - atelier:performance #28 - Dagmar I. Glausnitzer-Smith - 1:1
Dagmar I. Glausnitzer-Smith trifft auf nn

ACHTUNG: Auf Grund der anhaltenden Corona Pandemie wird diese Performance mit nur einer einzigen Performance-Zeug*in umgesetzt. Die Dokumentation der Performance obliegt der anwesenden Zeug*in in ihrer ganz eigenen Art und Weise.

Die Landkarte in der Zerreißprobe

Die Landkarte hat ihre eigene Grammatik und Bildsprache. Fraglich ist die Position des Landkarten Zeichners, der im Anspruch sich als allumfassend und gottgleich fühlen muss und er sich vielen Unterstellungen unterordnen muß.

In der Anordnung der Kategorien ließe sich eine Landkarte definieren als Auflistung von Gebieten, Regionen, Orten, Plätzen und die Verbindungen und Verknüpfungen selbiger. Die Auflistung selbst hat in sich bereits Verbindungen zu den Reihen ihrer Elemente und richtet sich so als ein spekulativer Raum ein.

Die Landkarte ist die zwei-dimensionale Ebene, von der aus auf den Bezug zwischen Welt und bestimmte Zustände hingewiesen werden soll. Und so ein Anrecht beansprucht, damit verbunden den pädagogischen Zweck darstellungsfähig zu machen.

„Die Welt gründet sich auf die Erde, in sofern die Wahrheit als Urstreit von Lichtung und Verbergung geschieht.“ (Heidegger, p.54, Der Ursprung des Kunstwerks). So ist der Landkartenzweck ausgerichtet auf eine vergangene, scheinbare Wahrheit, auf der sich Weltgeschehen und Entwicklung erklären (zurückführen) lässt. Das Geschehen der Wahrheit jedoch entzieht sich auf der Darstellung (in der Repräsentation).

Nennung und Verbildlichung der Auflistung, bzw. der grafischen Verteilung führt immer auch zu der Frage, wie die Seins-Orte angeordnet sind und nach welchen Kriterien der Interpretation von Gesellschaftszuständen, sie ihren Raum einnehmen können. Es ist eine spekulative Zeit, die sich nur über das narrative Feld zurückverfolgen lässt. Eine Landkarte des Moments (im Jetzt) existiert nicht. In der Analyse und ihrer kategorischen Auflistung kann nur von einer ‚angenommenen’ Vergangenheit die Rede sein, nicht einmal eine Erfahrene oder selten Erlebte sondern lediglich die Beschreibung eines übernommenen Zustands gekoppelt an ein Bedingungsnetz unterschiedlicher Ereignisse.

Die Wahrheit einer Geschichte repräsentativ auf einer Landkarte angegeben ist also eine angenommene Weltdarstellung, als stilles Bild angehalten und unwahrscheinlich.

Der Sachverhalt der Atlanten in der Abwesenheit der Identität ist im Vergleich zur Liste ebenso beschränkt. Durch die Aktion können Ideologiegedanken reflektiert werden und über den Namen und die Identitätsbezeichnung hinwegschreiten. Das Geschehen der Bewegung im Moment holt das Bedürfnis zurück sich im Versuch der Benennung einem anderen Raum zu nähern und einzurichten. Dieser drängt sich mit einem Kritikanspruch auf, der über die Werte der Repräsentation hinweg, sich dem Geschehen der Performance-Wahrheit zu nähern versucht. Die Benennung ist illusorisch im Versuch die Identität zu statuieren, zu beherrschen oder zu kontrollieren.

Dahingegen erfordert die Liste einen Allgemeinanspruch, den nur die Sprache liefert. (vergl. U.Ecco, The Infinity of Lists, RIZOLLI, 2009, p.82ff, J.Joyce, Finnigans Wake, Auflistung der Flüsse, die unübersetzbar bleiben, Namen, die sich in Übersetzungen vervielfachen und die Liste der Namen, die zum’Fluss’ werden...).

An anderer Stelle bezieht sich Ecco (s.o. p.93 auf Italo Calvino’s, Invisible Cities (1972), die sich hier trefflich auf das Lesen der ‚Landkarte als Hypothese’ beziehen:

„The Great Kahn owns an atlas whose drawings depict the terrestrial globe all at once (the claim) and continent by continent, the borders of the most distant realms, the ships routes, the coastlines, the maps of the most illustrious metropolises and of the most opulent ports...to put his knowledge to the test.“ (that of Marco Polo’s reading of the map)

Veranstaltungsort: Studio: Ilka Theurich - project space