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Evolut II, 2007, Lichtinstallation mit Abformungen fossiler Ammoniten, LED-Leuchttisch, Kunstharzformen, Drenageschlauch, Meeresrauschen 180 x 150 x 120 cm + Fossil Spin, 2005 Video-loop, 0.20 min. Animation 3-D gescanter Fossilien Biografie 1957 geb. in Grossburgwedel 1980 - 91 Parallelstudium: freie Kunst/Dipl. der [...] |
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| | Kulturschock: Harro DB Schmidt (YouTube) |
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Harro Schmidt Der Geist der Erinnerung (von Michael Stoeber)
Mit dem Begriff crossover werden die unterschiedlichsten Allianzen benannt, die einzugehen die zeitgenössische Kunst nicht müde wird Ästhetische Gestaltung verbindet sich mit statistischer Feldforschung wie mit linguistischen Distributionen, mit soziologischen Erhebungen wie mit gesellschaftspolitischen Analysen, mit ökonomischell Betrachtungen wie mit selbstreferentiellen Untersuchungen des.,Betriebssystems" Kunst. Dem Werk von Harro Schmidt, seinen Installationen, Tafelbildern und Skulpturen, ist das Wurzeln in zwei Bereichen quasi von Beginn an eingeschrieben. Fast zeitgleich hat er zwei parallele Studien abgeschlossen. das Geologie- und Palaeontologie-Studium an der Universität Hannover und das Studium der Freien Kunst an der Fachhochschule Hannover.
Für den Künstler Schmidt ist die gleichzeitige Beschäftigung mit zwei so unterschiedlichen Bereichen und Disziplinen nicht eine "entfremdete", sondern eine im Tiefsten sinnreiche, weil er darin geübt ist, die Dinge zusammenzusehen und zusammenzublenden. Die Geologie/Paläontologie liefert ihm stets aufs Neue Themen, Gedanken- und Motivstoffe, die er als Künstler in seinen Werken in ästhetischer Manier bearbeitet und umsetzt. In seiner Kunst paradieren längst ausgestorbene, ebenso schreckliche wie stolze Saurier und erzählen nicht nur von der eigenen, sondern von der Vergänglichkeit alles Lebendigen. Ammoniten in serieller Reihung verbinden sich zu Schmuckfriesen, Bilder vergangener Mikrofossilien auferstehen in Schmidts Werk als ganz gegenwärtiger, schwarzweißer Fotodruck auf Gaze, im Wasser lebende Brachhiopoden werden zu Elementen informeller Malerei und in Schmidts "Unbekannten Werkzeugen" verbinden sich fantastische Bioschöpfung und fantasierte Kunstschöpfung zu markant hybrider Gestaltung.
Seine neuen Werke rücken rein äußerlich ab vom Thema der Erd- und Biogeschichte. Es sind Projektionen, die Schmidt gegen den herrschenden Hightech-Trend auf geradezu arme Weise .. als orte povera sozusagen, zustande gebracht hat. Der Einsatz des Overhead-Projektors erinnert an Christian Boltanski, das Mittel des Scherenschnittes an Kara Walker. Die Arbeiten leuchten auf eindrucksvolle Weise mitten hinein an Wände und Decken projizierte Gestalten und Formen. Sie transformieren nicht nur ihre Projektionsflächen zu fremdartig plastischen Gebilden, sondern zeigen auch so buchstäblich wie parabelhaft, was für tolle Wirbel an Gedankenbildern in unseren Köpfen zu finden sind. Die sie repräsentierenden Miniaturidole in Form von Plastikspielzeug werden durch einen Wasserstrom in immer neue Bewegung versetzt. Die macht nicht nur sichtbar. wie frei, sondern auch wie chaotisch unsere Gedanken und Gefühle oft sind.
Harro Schmidts Werk scheint, was die Verfasstheit der conditio humana angeht, mit Freud gegen Descartes zu plädieren. Seine neue Werkserie der Projektionen spielt auf eindrucksvolle Weise mit sich verändernden Formen, ohne dass die Kamera hier Bewegung festgehalten hätte und loopartig wiederholte. Jede Veränderung vollzieht das von Schmidt gebaute Dispositiv live und unwiederholbar vor unseren Augen. In gewisser Weise verbinden sich die Projektionen auch mit seinen früheren Werken und ihren Ausflügen in die Geschichte der Geologie und Paläontologie. Wie diese Werke das kollektive Gedächtnis der Erd- und Naturentwicklung in sich aufheben, so scheinen die Bilderwirbel der Projektionen nicht nur individuelle Vorstellungen, sondern auch individuelle Erinnerungen zu speichern. |